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S

Bücher zum Massaker von Kiew-Babij-Jar im September 1941

 

 

 

Laura Notheisen

Zum Holocaust in der Ukraine -

Babyn Jar und die Aktion 1005 im

Spiegel von Vernehmungsberichten

Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn

1. Auflage 2015, 58 Seiten. € 14,80
ISBN 978-3-86628-554-5 & 3-86628-554-X

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Erhard Roy Wiehn Ергард Рой Він
Kiew Babij JarKiev Babi Yar
Бабин Яр у Києві
Ein fast vergessenes Verbrechen • An almost forgotten crime
Майже забутий злочин 1941. (Deutsch, englisch, ukrainisch)
1. Auflage 2011, 94 Seiten, Fotos. € 14,80.
ISBN 978-3-86628-371-8 & 3-86628-371-7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Erhard Roy Wiehn (Hg.),

Babij Jar 1941

Das Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Kiew

60 Jahre danach zum Gedenken.

Konstanz 2001, 189 Seiten, 19,43 €. ISBN 3-89649-645-X

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3891916663

 

 

Dawid Budnik/Jakow Kaper, (vergriffen / out of stock)
Nichts ist vergessen/Nothing is forgotten
Jüdische Schicksale in Kiew/Jewish Fate in Kiev 1941-1943.
(Deutsch, Englisch, Russisch) (vergriffen / out of stock)
Kiew/Konstanz 1993, 317 Seiten. ISBN 3-89191-666-3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3891915519

 

 

 

Dmitry B. Peisakhov,

Jüdisches Leben in Kiew

Eine Fotodokumentation.

(Einführung in Deutsch, Englisch u. Russisch)
Konstanz 1992/93, 200 Seiten, 18,41 €. ISBN 3-89191-551-9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cover_Gorre_Epstein

 

Karl Iosifowitsch Epstein

Weihnachten 1942

Ein jüdischer Junge

überlebt deutsche Massaker in der Ukraine

und erlebt als ukrainischer "Ostarbeiter"

eine deutsche Weihnacht in Berlin

Aus dem Russischen von Gabriele Pässler

Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn
Konstanz 2011, 82 Seiten, 5 Farbseiten.
ISBN 978-3-86628-389-3 & 3-86628-389-X

 

 

 

 

 

 

Erhard Roy Wiehn

Die Schoáh von Kiew-Babij-Jar

Zur Geschichte des Septembermassakers 1941

Auszüge aus einem Kapitel des Buches:

Erhard Roy Wiehn (Hg.),
Babij Jar 1941
Das Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Kiew
60 Jahre danach zum Gedenken.
Konstanz 2001, 189 Seiten, 19,43 €. ISBN 3-89649-645-X

 

 

Am 29. und 30. September 1941 erschossen und erschlugen Angehörige des Sonderkommandos 4a zusammen mit dem Stab der Einsatzgruppe C und zwei Kommandos des Polizeiregiments Süd in einer damals am Stadtrand von Kiew gelegenen Schlucht namens "Babij Jar" ("Frauen-Schlucht") 33.771 Menschen, jüdische Männer, Frauen und Kinder. Bis zur Befreiung Kiews durch die Rote Armee am 5. November 1943 wurden im Babij Jar insgesamt rund 200.000 Menschen ermordet, darunter mindestens 80.000 Juden aus Kiew und Umgebung, Bürgerinnen und Bürger, Zigeuner, Kriegsgefangene, Matrosen der Dnjepr-Flotte und sogar Fußballspieler des berühmten Clubs 'Dynamo Kiew'. Das Septembermassaker von 1941 war zwar nicht der Anfang nationalsozialistischer Verbrechen gegen die Menschlichkeit, aber vielleicht doch der Beginn des eigentlichen Holocaust, der jüdischen Schoáh

 

"Am 19. September fiel endlich Kiew. 'Mit der kämpfenden Truppe' rückte an diesem Tage ein 50 Mann starkes Vorkommando des SK 4a in die Stadt ein. Das Gros des Sonderkommandos erreichte KIEW am 25.9. Das Vorkommando des Gruppenstabes war bereits am 21.9. hier eingetroffen; der Gruppenstab selbst folgte am 25.9.1941. Einen Tag später nahm das SK 4a mit sieben Vernehmungskommandos im Lager für Zivilgefangene, im Kriegsgefangenenlager, im Judenlager und in der Stadt selbst seine 'sicherheitspolizeiliche Arbeit' in Kiew auf. Als in der Woche nach dem Einmarsch mehrere Sprengstoffexplosionen beträchtliche Personen- und Sachschäden anrichteten", beschreibt Helmut Krausnick zusammenfassend das unbeschreibliche Massaker, "benutzte man dies sofort als willkommenen Vorwand für 'entsprechende Vergeltungsmaßregeln' und erließ nach einer Besprechung zwischen Rasch, Blobel, Jeckeln und dem Stadtkommandanten, General Eberhard, an die Juden von Kiew 'durch Maueranschlag' einen Aufruf, sich zur Umsiedlung einzufinden. Diesem Aufruf wurde in so unerwartet großem Umfang Folge geleistet, daß das SK 4a in der Lage war, zusammen mit dem Stab der Einsatzgruppe C und zwei Kommandos des Polizeiregiments Süd am 29. und 30. September 1941 33.771 Juden - die Zahl ist mehrmals gemeldet - in der nahe gelegenen Schlucht von Babij Jar zu erschießen. Der Name der Schlucht wurde ein Symbol für die Untaten der Einsatzgruppen."

Der Mord an den Juden von Kiew dürfte tatsächlich spätestens drei Tage nach dem Einmarsch der Deutschen begonnen haben, auch wenn im folgenden Augenzeugenbericht möglicherweise frühe mit späteren Ereignissen vermischt worden sein könnten: "... Während der zeitweiligen Besetzung der Stadt wohnte ich in Kiew, Tiraspolskaja-Straße 55, Tür 2. Meine Wohnung befindet sich in der Nähe der Stelle, die Babij Jar genannt wird", berichtete die Zeugin Gorbatschowa N.T. am 28. November 1941:

 

"Am 22. September 1941 habe ich selbst gesehen, wie nach Babi Jar im Laufe des Tages etwa 40 Lastkraftwagen fuhren, vollbeladen mit Einwohnern jüdischer Nationalität: Männern, Frauen und Kindern, wobei einige Frauen Säuglinge in den Armen hielten.

Ich und noch einige Frauen, die in der Nähe von Babi Jar wohnen, begaben uns, von den deutschen Wachen unbemerkt, zu der Stelle, an der die Autos haltmachten und die Menschen abgeladen wurden. Wir sahen, daß die Deutschen etwa 15 Meter vom Anfang des Babi Jar die Juden sich zu entkleiden zwangen und ihnen befahlen, den Babi Jar entlang zu laufen. Dabei schossen die Deutschen mit Maschinenpistolen und Maschinengewehren auf die Laufenden.

Ich habe selbst gesehen, wie die Deutschen Säuglinge in die Schlucht hinabwarfen. In der Schlucht befanden sich nicht nur Erschossene, sondern auch Verletzte und sogar lebende Kinder. Dennoch schütteten die Deutschen die Schlucht zu; dabei war zu bemerken, daß sich die dünne Schichte Erde über den Menschenleibern bewegte.

Viele Menschen fielen in der Vorahnung ihres Todes in Ohnmacht, zerrten an ihren Kleidern, rauften sich die Haare und stürzten den deutschen Soldaten zu Füßen; als Antwort erhielten sie Stockschläge. - Die Judenerschießungen dauerten mehrere Tage. ..."

 

Am 28. September 1941 (7. Tischri) fanden sich ca. 2.000 Plakate in ganz Kiew mit der Aufschrift:

 

"Alle Juden der Stadt Kiew und Umgebung müssen sich am Montag, dem 29. September 1941, um 8 Uhr morgens an der Ecke Melnikowskaja und Dochturowskaja (neben dem Friedhof) einfinden. Ausweise, Geld und Wertsachen sind mitzubringen, ebenso warme Kleidung, Unterwäsche etc.

Jeder Jude, der dieser Anordnung zuwiderhandelt und an anderem Ort angetroffen wird, wird erschossen.

Jeder Bürger, der in eine von Juden verlassene Wohnung eindringt und sich Sachen aneignet, wird erschossen." (Siehe hier S. 6, 20, 170)

 

Der Text war in russischer, ukrainischer und deutscher Sprache abgefaßt; also gewissermaßen 'dreistöckig'; für 'Jude' wurde hier übrigens das herabsetzende Wort 'Schid', nicht das übliche 'Jewrej' benutzt.

"Wir alle mußten im Hof der Unterkunft, ich glaube, es war Ende Sept. 1941, antreten", heißt es im Vernehmungsprotokoll des Zugwachtmeisters einer Polizeikompanie, die das Erschießungsgelände absperrte, vom 19. September 1965:

 

"Es war alles da, was zum Kommando gehörte, selbst die Schreibstubenleute und die Leute aus dem Revier. Auch alle Offiziere waren da. Blobel hielt eine Ansprache, die zum Inhalt hatte, daß die an diesem Tag durchzuführenden Befehle in jedem Falle von uns zu befolgen seien, andernfalls wir selbst mit den schärfsten Maßnahmen, insbesondere der Erschießung wegen Feigheit und mit Sippenhaft zu rechnen hätten. Wir wurden dann mit Lkw's durch die Stadt Kiew gefahren zu einer großen Pappelallee. Auf unserer Fahrt sahen wir schon, daß sich lange Kolonnen Juden jeglichen Alters und jeglichen Geschlechts zu dieser Allee bewegten. Dieser Allee schloß sich ein Hochplateau an. Auf diesem Plateau mußten sich die Juden ausziehen. Die Juden wurden bewacht von Wehrmachtseinheiten und von einem Hamburger Pol.Bat., das, soweit ich mich erinnern kann, die Nr. 303 hatte. Blobel hatte die Oberleitung über die gesamte Organisation und Durchführung der Exekution. Die Juden mußten ihre Kleider ablegen, es türmten sich große Haufen auf. Anschließend mußten sie zum Grubenrand gehen und sich hinlegen. Sie wurden dann erschossen. Beim Erschießen wurde abgewechselt. Die Erschießung erstreckte sich über die Länge der gesamten Schlucht. Die jeweiligen Schützen bekamen von anderen Einheitsangehörigen die fertig geladenen Magazine der M.P. jeweils gereicht."

 

Die Erschießung habe zwei Tage gedauert, so das Vernehmungsprotokoll des Zugwachtmeisters weiter:

 

"Es wurden 1000e und Abertausende von Juden erschossen.

Sie gingen alle gefaßt in den Tod. Es wurde nicht geschrieen und nicht gejammert. Soweit ich mich erinnern kann, waren damals alle bei der Einheit befindlichen Führer in diese große Tötungsaktion mit irgendwelchen Aufgaben eingeordnet.

Ich bin allerdings überfragt, wenn ich im Einzelfall angeben soll, welche Befehle etwa die Führer Callsen, Hans, Häfner und Janßen gegeben haben.

Ich kann auch nicht mehr sagen, an welcher Stelle des Exekutionsgeländes ich diese Führer gesehen habe. Die Schlucht war sehr tief. Wer von den Führern in der Schlucht stand, kann ich heute nicht mehr sagen.

Wir bekamen damals Schnaps in großen Mengen, damit wir besser die ganze abscheuliche Sache überstehen konnten.

Nach Abschluß der Exekution hörte man, daß ein Teil der Führer ausgewechselt worden sei. Welche Führer dies waren, kann ich nicht sagen, weil ich dies nicht weiß. Blobel soll sogar ausgezeichnet worden sein wegen dieser Massaker."

 

Der Sachbearbeiter III (SD) im Stab der Einsatzgruppe C, Karl Hennicke, hat Helmut Krausnick zufolge am 4. September 1947 in Nürnberg eidesstattlich erklärt: "Bei der Exekution in Kiew (Babi Jar) habe ich ... gesehen: Dr. Rasch, Dr. Hofmann, Paul Blobel und Callsen."

"Obwohl man zunächst nur mit einer Beteiligung von etwa 5.000 bis 6.000 Juden gerechnet hatte", so ein deutscher Originalbericht von damals, "fanden sich über 30.000 Juden ein, die infolge einer überaus geschickten Organisation bis unmittelbar vor der Exekution noch an ihre Umsiedlung glaubten." - "Wir hielten auf einer gepflasterten Straße im freien Gelände an", berichtete ein Angehöriger des Sonderkommandos 4a zunächst über den Beginn der Erschießungen:

 

"Dort waren unzählige Juden versammelt, und dort war auch eine Stelle eingerichtet, wo die Juden ihre Kleidung und ihr Gepäck ablegen mußten. Nach einem Kilometer sah ich eine große natürliche Schlucht. Es war sandiges Gelände. Die Schlucht war ca. 10 Meter tief, etwa 400 Meter breit, oben etwa 80 Meter breit und unten etwa 10 Meter breit. Gleich nach meiner Ankunft im Exekutionsgelände mußte ich mich zusammen mit anderen Kameraden nach unten in die Mulde begeben. Es dauerte nicht lange, und es wurden schon die ersten Juden über die Schluchtabhänge zugeführt. Die Juden mußten sich mit dem Gesicht zur Erde an die Muldenwände hinlegen. In der Mulde befanden sich drei Gruppen mit Schützen, insgesamt 12 Schützen. Gleichzeitig sind diesen Erschießungsgruppen von oben her laufend Juden zugeführt worden. Die nachfolgenden Juden mußten sich auf die Leichen der zuvor erschossenen Juden legen..."

 

Vor dem Nürnberger Militärgerichtshof II sagte Richter Richard D. Dixon in der Urteilsbegründung im ersten Einsatzgruppenprozeß, dem sogenannten 'Case No. 9', am 8. April 1948: "Der Angeklagte Paul Blobel, der erklärte, daß sein Sonderkommando zwischen 10.000 und 15.000 Menschen umgebracht hätte, beschrieb in gewisser Ausführlichkeit eine Hinrichtung, die er selbst geleitet hatte. Nachdem er angegeben hatte, daß 700 bis 1.000 Personen von dieser Exekution betroffen wurden, erzählte er, wie er seine Abteilung in Erschießungskommandos von je 30 Mann aufteilte. Dann wurden die Massengräber vorbereitet:

 

'Von der Gesamtzahl der zu der Exekution bestimmten Personen wurden jeweils 15 Mann an den Rand des Massengrabes geführt, wo sie sich hinknien mußten, das Gesicht zum Grabe gewandt. Kleidung und Wertsachen wurden zu dieser Zeit noch nicht eingesammelt. Später wurde das geändert.

Nachdem die Leute zur Exekution fertig waren, gab einer meiner Führer, dem das jeweilige Exekutionskommando unterstand, den Feuerbefehl. Durch die kniende Lage am Rand des Massengrabes fielen die Opfer meistens gleich in das Massengrab. Ich habe stets größere Exekutionskommandos die Erschießung durchführen lassen, da ich den Gebrauch von Genickschußspezialisten ablehnte. Jedes Kommando schoß ungefähr eine Stunde und wurde dann abgelöst. Die noch zu erschießenden Menschen waren in der Nähe der Exekutionsstätte versammelt und wurden von den Mitgliedern der Kommandos, die im Augenblick nicht an Exekutionen teilnahmen, bewacht.' (NO-3824)

 

In einigen Fällen fielen die umgebrachten Menschen nicht in die Gräber, und die Henkersknechte waren gezwungen, sich bei der Arbeit des Vergrabens selbst zu bemühen. Es wurde jedoch eine Methode erfunden, um diese zusätzliche Arbeit zu vermeiden: Man ließ ganz einfach die Opfer in den Graben oder das Grab hinuntersteigen, während sie noch am Leben waren. ... - Der Angeklagte Blobel sagte aus, daß ein Erschießungskommando immer auf die Köpfe der Opfer zielte. Wenn, so erklärte er, das Opfer nicht getroffen wurde, dann ging ein Angehöriger des Erschießungskommandos mit seinem Gewehr auf eine Entfernung von drei Schritten heran und schoß nochmals. Das Bild des Opfers, das zusehen mußte, wie der Kopfjäger sich mit seinem Gewehr nähert und auf drei Schritte Entfernung auf ihn schießt, ist so voller Entsetzen, daß sich dafür kein Ausdruck finden läßt."

"Zur Entlastung von Blobel, der in einer Voruntersuchungs-Erklärung zugab", so Richter Dixon weiter, "daß sein Kommando 10.000 bis 15.000 Menschen umgebracht habe, erklärte sein Anwalt in seinem Schlußplädoyer, daß Blobels Aufgaben rein verwaltungstechnischer Art waren - und fügte hinzu, daß diese verwaltungstechnischen Pflichten zwar im 'weitesten Sinne' ausgelegt werden sollten. - Eine der verwaltungstechnischen Aufgaben Blobels war die Leitung von Exekutionen. Die Geschichte wird ihm Dank schuldig sein für seinen maßgebenden Bericht über Massenexekutionen vom Standpunkt der Mentalität und der Philosophie von Mörder und Gemordeten. Also er wurde während des Prozesses gefragt, ob die dem Untergang Geweihten, als sie zu den wartenden Gräbern geführt wurden, jemals zu entfliehen versuchten, bevor die Schüsse fielen. Er erwiderte, daß es keinen Widerstand gab, und daß ihn das sehr überraschte. Dann entwickelte sich das folgende Verhör:

 

'F: Sie wollen damit sagen, daß sie sich schnell damit abfanden mit dem, was sie erwartete?

A: Das war also so bei denen, da galt eben ein Menschenleben nichts gewissermaßen. Entweder hatten die Leute an sich schon irgendwelche Erfahrungen oder sie erkannten ihren inneren Wert nicht.

 

F: Mit anderen Worten: Sie gingen ganz glücklich in den Tod?

 

A: Ob sie glücklich waren, das vermag ich nicht zu sagen. Sie wußten, was ihnen bevorstand, das ist ihnen eröffnet worden, und sie haben sich in ihr Schicksal gefügt. Und das ist die Eigentümlichkeit dieser Menschen da im Osten.

 

F: Und wurden die Aufgaben dadurch, daß sie keinen Widerstand leisteten, für Sie leichter?

 

A: Ja, auf jeden Fall. Auf jeden Fall haben die Wachmannschaften mit irgendwelchen Widerständen dort in Sokal nichts zu tun gehabt. Das ist alles sehr ruhig verlaufen, es nahm nicht viel Zeit in Anspruch. Ich muß sagen, daß unsere Männer, die daran teilgenommen haben, mehr mit ihren Nerven runter waren als diejenigen, die dort erschossen werden mußten. 

 

F: Mit anderen Worten, Sie zeigten mehr Mitleid für Ihre Männer, die die Opfer erschießen mußten, als für die Opfer selbst?

 

A: Ja, also unsere Schützen mußten betreut werden.'

 

"So war der Mord auch noch von einer verbrecherischen Frechheit begleitet", resümierte Richter Dixon: "Das Opfer wird als unmenschlich hingestellt, während der Henker bemitleidet wird. - Der Ermordete ist schuldig und der Mörder ist im Recht. Der Mensch, der alles hergeben muß - sein Leben -, ist ein undankbarer Mensch und der Henker ist der Dulder. Für diese Menschen 'war ein menschliches Leben nicht so wertvoll wie für uns'. Hier bemerken wir die moralische Überlegenheit des Mörders über die Verworfenheit des Hingemordeten. 'Unsere Leute, die an den Exekutionen teilgenommen haben, waren mehr mit den Nerven runter, als diejenigen, die dort erschossen werden mußten.' - Hier ist die ganze Geschichte der einfachen 'verwaltungstechnischen Pflichten' eines der Führer der Einsatzgruppen in einem Land, das nicht sein eigenes war, in schlagender Weise symbolisiert." - Ein Zeuge habe berichtet, so Richter John J. Speight am 8. April 1948, "wie eines Tages, als er und Blobel über Land fuhren, Blobel ihn auf ein langes Grab aufmerksam machte und sagte: 'Hier sind meine Juden beerdigt.' Man kann daraus nur schließen, daß Blobel auf das, was er getan hatte, stolz war. 'Hier sind meine Juden beerdigt.' Genauso wie jemand von dem Wild spricht, das er im Walde geschossen hat."

"Geld, Wertsachen, Wäsche und Kleidungsstücke wurden sichergestellt und zum Teil der NSV zur Ausrüstung der Volksdeutschen, zum Teil der kommissarischen Stadtverwaltung zur Überlassung an bedürftige Bevölkerung übergeben", heißt es in der Ereignismeldung Nr. 106 vom 7. Oktober 1941:

 

"Die Aktion ist reibungslos verlaufen. Irgendwelche Zwischenfälle haben sich nicht ergeben. Die gegen die Juden durchgeführte 'Umsiedlungsmaßnahme' hat durchaus die Zustimmung der Bevölkerung gefunden. Daß die Juden tatsächlich liquidiert wurden, ist bisher kaum bekanntgeworden, würde auch nach den bisherigen Erfahrungen kaum auf Ablehnung stoßen. Von der Wehrmacht wurden die durchgeführten Maßnahmen ebenfalls gutgeheißen. Die noch nicht erfaßten bzw. nach und nach in die Stadt zurückkehrenden geflüchteten Juden werden von Fall zu Fall entsprechend behandelt."

 

"Die Obdachlosen (des Stadtbrandes, ERW) sollen größtenteils in frei gewordenen Judenwohnungen untergebracht worden sein", so der Bericht der Abteilung VII der 454. Sicherungsdivision vom 2. Oktober 1941:

 

"Der Rest konnte am 1.10. gegen Abend nach Aufhebung der im weiteren Umkreise des Brandherdes durchgeführten Absperrung in seine Wohnungen zurückkehren, soweit diese noch brauchbar waren.

Die Einwohnerzahl wird auf etwa die Hälfte des Normalstandes, also auf rund 400.000, geschätzt.

Die Juden der Stadt waren aufgefordert worden, sich zwecks zahlenmäßiger Erfassung und zur Unterbringung in einem Lager an bestimmter Stelle einzufinden. Es meldeten sich etwa 34.000 einschließlich der Frauen und Kinder. Alle wurden, nachdem sie ihre Wertsachen und Kleidungsstücke hatten abgeben müssen, getötet, was mehrere Tage in Anspruch nahm."

 

"'Die Bevölkerung'", sagt ein Bericht laut Gerald Reitlinger, "'wußte kaum, daß die Juden liquidiert wurden, aber die jüngsten Erfahrungen deuten darauf hin, daß sie kaum Einwände erhoben hätte.' Die unter deutscher Aufsicht erscheinende ukrainische Zeitung 'Krakiwski Visti' berichtete: 'Die Juden marschierten in kleinen Gruppen nach einem unbekannten Bestimmungsort', aber es ist zweifelhaft, ob irgend jemand durch derartige Berichte hinters Licht geführt wurde." Ein Offizier der Auslandsabwehr habe Admiral Canaris berichtet, daß trotz aller Anstrengungen des Reichskommissars Erich Koch, das Massaker vor den ausländischen Korrespondenten geheimzuhalten, diese ihm erzählt hätten, darüber genauestens Bescheid zu wissen: "Ende Oktober aber muß jedermann in Kiew die Wahrheit gewußt haben, denn der SD hatte einige der 139 Lastkraftwagenladungen mit Kleidung, die man den Juden abgenommen und für die Volksdeutschen in der Ukraine bestimmt hatte, an Arme in der Stadt verteilt."

"Drei Tage nach der Exekution wurde die Schlucht zum Massengrab", schreiben Heinz Artzt und Helmut Krausnick fast gleichlautend, indem eine Pioniereinheit die Wände der Schlucht durch Sprengladungen zum Einsturz brachte - "die Erdmassen bedeckten die Leichen nur notdürftig. Der Name Babi Yar wurde zum Symbol für diese Massenmorde großen Stils, die Aktion zum schrecklichen Höhepunkt in dieser ersten Phase der systematischen Vernichtung, denn weder vorher noch nachher wurden von einem Einsatzkommando in so kurzer Zeit mehr als dreißigtausend Menschen umgebracht." - "Kann es erstaunen", so Helmut Krausnick, "wenn ein Angehöriger einer anderen deutschen Dienststelle in der Ukraine von der Gesamtaktion der Einsatzgruppen sagte, sie sei 'in der Massenhaftigkeit der Hinrichtungen so gigantisch wie bisher keine in der Sowjetunion vorgenommene gleichartige Maßnahme'?"

 

Der Stab der Einsatzgruppe C verblieb Helmut Krausnick zufolge vom 25. September 1941 bis Sommer 1942 in Kiew; auch das Sonderkommando 4a war seit 19. September 1941 zunächst in Kiew stationiert, wenn auch mit großem Aktionskreis. In ihrer Ereignismeldung über ihre Tätigkeit in Kiew unter dem 12. Oktober 1941 berichtete die Einsatzgruppe C, "daß das Sonderkommando 4a die Gesamtzahl von über 51.000 Exekutionen erreicht habe".

Nach Herbert A. Strauss wird die Zahl der in den ersten neun Monaten von den Einsatzkommandos erschossenen jüdischen Männer, Frauen und Kinder jeden Alters auf mindestens 700.000 geschätzt: "Diese Zahl schließt eine Reihe anderer Ermordungen, auch durch die regulären Truppen, die der Wehrmacht unterstellten kämpfenden Waffen-SS-Einheiten oder der sogenannten höheren SS- und Polizeiführer nicht ein, etwa das Massa­ker an 33.771 Personen in Kiew Ende September 1941 oder das von rumänischen Truppen verübte Massaker in Odessa Ende Oktober 1941, das schätzungsweise 60.000 Juden das Leben kostete."

 

Nach David S. Wyman gab der Generalbevollmächtigte des 'American Joint Distribution Committee' für Osteuropa, S. Bertrand Jacobson, im März 1942 in New York einen Bericht, der sich auf Augenzeugen stützte, und dabei schätzte er, daß die Deutschen bis zu diesem Zeitpunkt allein in der Ukraine bereits 240.000 Juden ermordet hatten: "Eine der grausigsten Schilderungen, die bis dahin die USA erreicht hatten, stammte von einem ungarischen Soldaten, der ein Massengrab bei Kiew gesehen hatte. (Die 'New York Times' enthielt ihren Lesern diesen Bericht vor.) 7.000 mit dem Maschinengewehr niedergemähte Juden hatte man in ein flaches Massengrab geworfen und mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Der Anblick dieses Todesackers, der sich 'wie ein wogendes Meer hob und senkte', hatte sich in das Gedächtnis des Soldaten eingebrannt." David S. Wymann zufolge dauerte es jedoch bis Anfang Juli 1942, ehe das amerikanische State Department erstmals eigene Erkundigungen über die Massaker an den Juden in Osteuropa eingezogen habe: "Der US-Botschafter in Schweden meldete nach Washington, daß die Nazis in den besetzten russischen Gebieten mindestens 284.000 Juden getötet hätten." Ein estnischer Offizier berichtete von Massenerschießungen im Baltikum; ein weiterer Zeuge hatte ähnliche Massaker sowohl dort wie auch in Kiew erlebt.

Im Frühjahr 1942 wurde in Kiew ein Konzentrationslager errichtet bzw. ausgebaut, von den Deutschen nach einem benachbarten Stadtteil Lager 'Siretz' genannt. Dort gab es Hunderte von Gefangenen, Männer und Frauen, Juden, Russen, Ukrainer; Lagerchef war der SS-Sturmbannführer (Major) Paul von Radomski, ein Killer und Sadist. - Im August 1942 soll eine Kiewer Fußballmannschaft, in der auch Sportler des berühmten Clubs 'Dynamo Kiew' mitspielten, nach Babij Jar gebracht worden sein, nachdem diese verschiedene deutsche Soldatenmannschaften besiegt hatte. Belegt erscheinen die Namen der Fußballspieler Nikolai Drusjewitsch, Iwan Kusmenko und Leonid (?) Klimenko, für die auf dem Gelände des Stadions von 'Dynamo Kiew' ein Denkmal errichtet wurde.

 

"Der Angeklagte Blobel erklärte in einer vom 18. Juni 1947 datierten eidesstattlichen Erklärung", so Richter Speight am 8. April 1948 in Nürnberg, "daß er im Juni 1942 von Gruppenführer Müller mit der Aufgabe betraut wurde, die Spuren der von den Einsatzgruppen im Osten durchgeführten Exekutionen zu entfernen. Er überläßt nichts der Einbildungskraft:

 

'Bei meinem Besuch im August besichtigte ich selbst die Verbrennungen von Leichen in einem Massengrab bei Kiew.

Dieses Grab war ungefähr 55 m lang, 3 m breit und 2½ m tief. Nachdem die Decke abgehoben worden war, wurden die Leichen mit Brennstoff bedeckt und angezündet.

Es dauerte ungefähr zwei Tage, bis das Grab bis zum Boden durchgeglüht war. Danach wurde das Grab zugeworfen, und alle Spuren waren damit so gut wie verwischt.

Wegen des Anrückens der Front war es nicht möglich, die weiter im Süden und Osten befindlichen Massengräber, die von Exekutionen der Einsatzgruppen herrührten, zu zerstören.'

 

So eifrig war Blobel - anscheinend befehlsgemäß - darauf bedacht, alles belastende Beweismaterial über die Tötungen zu vernichten, daß er sogar versuchte, die Leichen mittels Dynamit zu zerstören. Rudolf Höss, der Kommandant des Auschwitzer Konzentrationslagers, der diese Versuche überwachte, erklärte, daß die Methode mit Dynamit nicht erfolgreich war.

 

'Blobel hatte verschiedene behelfsmäßige Öfen aufbauen lassen und verbrannte mit Holz und Bezinrückständen.

Er versuchte, mit Sprengungen die Leichen zu vernichten, dies gelang aber nur sehr unvollständig.'

Deshalb wurden andere Mittel benützt:

 

'Die Asche wurde in dem ausgedehnten Waldgelände verstreut, zuvor durch eine Knochenmühle zu Staub zermahlen. Staf. Blobel war beauftragt, alle Massengräber im gesamten Ostraum ausfindig zu machen und zu beseitigen... Die Arbeiten selbst wurden durch Judenkommandos durchgeführt, die nach Beendigung eines Abschnitts erschossen wurden. ...'"

 

"Als die Kriegslage für die deutschen Heere im Osten immer aussichtsloser wurde und die Front der Roten Armee zurückzuweichen begann", schreibt Heinz Artzt, "sann die SS darauf, wie die Spuren ihrer Vernichtungsaktionen, die zahllosen Massengräber, beseitigt werden konnten. Zu diesem Zweck wurde unter Leitung des SS-Standartenführers Paul Blobel, der schon bei den Einsatzgruppen-Aktionen dabeigewesen war, ein Sonderkommando gebildet, das mit der Durchführung dieses schauerlichen Unternehmens beauftragt wurde. ... Die eigentliche Aktion, die nach einem Geschäftszeichen des Reichssicherheitshauptamtes die Bezeichnung '1005' erhielt und dort dem Amt IV unterstand, begann nach Ende der Frostperiode des Winters 1942/43 in den russischen Gebieten und wurde im Sommer und Herbst auf das Generalgouvernement ausgedehnt. ... Ein Angehöriger der Schutzpolizei hat im Oktober 1945 den Ablauf einer solchen Aktion detailliert zu Protokoll gegeben, aber nachträgliches Entsetzen über die Ungeheuerlichkeit des Geschehens klingt nicht aus seinem Bericht. Darin heißt es: 'Jeder Häftling war an beiden Beinen gefesselt mit einer 2-4 Meter langen Kette. Die Häftlinge waren gekleidet in Zivilkleidung. - ... Die Leichenhaufen wurden nicht zu regelmäßigen Zeiten angezündet, sondern immer, wenn ein oder mehrere Haufen fertig waren, bedeckt mit Holz und getränkt mit Öl und Benzin. Die Häftlinge bekamen reichlich und einigermaßen gutes Essen, und ich habe gesehen, wie sie einmal Schnaps bei der Arbeit bekommen haben.'"

"Die Häftlinge, die für 'einigermaßen gutes Essen' und 'einmal Schnaps' schließlich mit ihrem Leben zahlten, mußten sich" Heinz Artzt zufolge "auf eine Holzunterlage legen und wurden durch Genickschuß getötet. Ihre Leichen wurden dann genauso verbrannt, wie es für die Aktionen, die sie hatten durchführen müssen, entwickelt worden war. Das übrige 'Personal' der Sonderkommandos, Sipo- und SD-Angehörige, veranstalteten oft nach der Beseitigung eines Massengrabes und der Erschießung der Arbeitskräfte einen 'Kameradschaftsabend', denn so wollte es der um die unerschütterliche ideologische Ausrichtung seiner Leute stets besorgte Reichsführer-SS. In einer 'Exekutions­ordnung' vom 6. Januar 1943 heißt es:

 

'Nach jeder Exekution sind die daran beteiligten SS-Männer bzw. Beamte durch den Lagerkommandanten oder den von ihm beauftragten SS-Führer über die Rechtmäßigkeit der Exekution aufzuklären und in ihrer inneren Haltung so zu beeinflussen, daß sie keinen Schaden nehmen. Hierbei ist die Notwendigkeit der Ausmerzung aller solcher Elemente im Interesse der Volksgemeinschaft besonders hervorzuheben. Die Aufklärung ist in wirklich kameradschaftlicher Weise vorzunehmen. Sie kann von Zeit zu Zeit in Form eines kameradschaftlichen Beisammenseins erfolgen.'

 

Um sich von dieser makabren Tätigkeit zu erholen, wurden die Angehörigen der Sonderkommandos 1005 in besondere Erholungsheime der Sicherheitspolizei in Grinizza und Zakopane geschickt. ..."

Noch ehe die Sowjetunion die deutschen Eindringlinge zurückgetrieben hätte, schreibt Heinz Höhne, habe sich Standartenführer Paul Blobel aufgemacht, um die Spuren der Mörder zu verwischen: "An der Spitze eines Sondertrupps, der sich 'Kommando 1995' nannte, öffnete er die Massengräber der liquidierten Juden und ließ die Leichen auf ölgetränkten Eisenrosten verbrennen, die übriggebliebenen Knochenreste in Spezialmühlen zerhacken. Das Feuer der Leichenschänder erleuchtete eine gespenstische Szene, letzter Akt eines pervertierten Soldatentums, das in der Geschichte der Feldzüge und Kriege einmalig dasteht." Für diese Aktionen wurden KZ-Häftlinge eingesetzt; die SS-Aufseher nannten diese Gefangenen 'Leichen', und mit diesem Wort und ihrer Nummer mußten sie sich sogar selbst bezeichnen. Den mit dieser gigantischen Aufgabe befaßten Sonderkommandos war strengstes Stillschweigen auferlegt. Doch nichts konnte verschwiegen werden, allein schon weil es jüdischen Häftlingen gelang, diesen Sonderkommandos zu entfliehen. Nachdem die in Ketten geschmiedeten Gefangenen etwa 100.000 Leichen ausgegraben und verbrannt hatten, sollten sie zum zweiten Jahrestag des Massakers von Babij Jar ebenfalls erschossen werden, versuchten alsdann am 30. September 1943 einen Ausbruch, 311 der Fliehenden wurden getötet, 14 erreichten Anfang November die Reihen der Roten Armee, zwei von ihnen, Vladimir Davidov und David Budnik, berichteten der Welt als Zeugen in Nürnberg 1946 über Babij Jar.

 

 

Kiew war 779 Tage von deutschen Truppen besetzt. Als die Soldaten des Generals Nikolai Watutin am 5. November 1943 die Stadt zurückeroberten, gab es dort nurmehr rund 180.000 Einwohner: "Vier Fünftel waren umgekommen oder deportiert worden. 1.000 Produktionsstätten und 6.000 Wohnhäuser, Kirchen und historische Bauten lagen in Trümmern."

"Die Deutsche Wehrmacht hinterließ im Osten ein ausgeplündertes, zerstörtes Land", schreibt Rolf-Dieter Müller: "Das okkupierte sowjetische Gebiet hatte nicht nur unter dem Prinzip 'Der Krieg ernährt den Krieg' zu leiden gehabt, das hier in einem seit dem Dreißigjährigen Krieg wohl einzigartigen Ausmaß praktiziert worden ist, sondern auch unter den Versuchen, ein barbarisches Vernichtungs- und Kolonialisierungsprogramm zu verwirklichen. Bei allem Leid, das Teilen der deutschen Bevölkerung nach dem Einmarsch der Roten Armee widerfahren ist, nach Übergriffen, Vertreibungen und Reparationsbeitreibungen, darf nicht vergessen werden, welches Unrecht und welche Verbrechen zuvor von Deutschen begangen worden sind. Gerade die einzigartige wirtschaftliche Zielsetzung des Unternehmens 'Barbarossa' und ihre hemmungslose Durchführung verbieten jede Art von Aufrechnung."

 

 

Im Oktober 1959 protestierte Viktor Nekrassov gegen das Schweigen, für ein Mahnmal und gegen ein Sportstadion auf dem Gelände von Babij Jar. Besondere Aufmerksamkeit erregte das am 19. September 1961 veröffentlichte Gedicht 'Babij Jar' von Jewgenij Jewtuschenko. Dimitrij Schostakowitsch hat dieses Gedicht in seiner 13. Symphonie vertont, die im Dezember 1962 erstmals aufgeführt wurde. Jewgenij Jewtuschenko wurde heftig angegriffen und am 8. März 1963 sogar von Nikita Chruschtschow öffentlich kritisiert. 1966 veröffentlichte Anatoli Kusnezow seinen Dokumentarroman 'Babij Jar', vor allem unter Verwendung der Aussagen von Dina Mironowna Pronitschewa. Später gab es eine Art Wettbewerb für ein Babij-Jar-Mahnmal, das schließlich im Jahre 1976 nach einem Entwurf von Michail Lysenko (mit V. Suchenko und O. Witrin) von den Architekten Anatoly Ignaschtschenko, M. Ivantschenko und V. Ivantschenkov errichtet werden durfte. Doch keine Inschrift erinnerte an das jüdische Martyrium, und erst später wurde eine Gedenktafel in jiddischer Sprache angebracht (Umschlagfotos u. S. 17 u. 155).

Im September 1991 fand in Kiew dann tatsächlich die erste große offizielle und öffentliche Feier zum Gedenken an die Opfer von Babij Jar statt, 50 Jahre danach gewiß nicht verfrüht, aber immerhin, und seither jedes Jahr. Inzwischen gibt es auch ein zweites und jüdisches Mahnmal, eine riesige Menorah, und zwar nahe am damaligen Ort des Geschehens (Umschlagtitelfoto).

 

Prof. Dr. Drs.h.c. Erhard Roy Wiehn M.A. a.D. (Universität Konstanz)

Fußnoten und Literaturangaben befinden sich im oben genannten Buch

 

Weiterhin aktuell sind die folgenden von Erhard Roy Wiehn herausgegebenen Titel:

Gedenkschriften zur Schoáh

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